Kehl 12.9.2011

 

»Ich könnte grad noch einmal springen«
Nicht nur Profis, auch völlige Neulinge wagen beim Skydiven den Absprung

Beim dreitägigen deutsch-französischen Fallschirmspringer-Treffen auf dem Sundheimer Flugplatz waren die Sykdiver die Könige der Luft. Aber auch ein paar Neulinge wagten den Absprung.


 

12.09.2011 - Kehl. Mit 200 Sachen geht es abwärts – 4000 Meter tief. Über Waldemar Richter herrscht das unendliche Blau des Himmels – ein Gefühl von Freiheit und Friede breitet sich langsam in ihm aus Dieser Tag wird für den Sechzigjährigen aus Friesenheim ewig in Erinnerung bleiben – zum ersten Mal ist er mit einem Fallschirm gesprungen – Tandem, versteht sich. Nach spannenden Minuten über Sundheimer Höhen geht der Ausflug zu Ende »Füße hoch!«, heißt es kurz vor dem Aufsetzen. Wieder feste Erde unter den Füßen.

Auf den Boden kommt die obligatorische Frage vom Tandem-Master: Wie war’s? Alles in Ordnung? Doch das Erlebnis war einfach zu aufregend, um es wirklich beschreiben zu können. Nach einer Verschnaufpause kann Richter seine Emotionen nicht mehr zurückhalten: »Ein Super-Gefühl, ich könnte grad nochmal wieder«.

Neben den Profis nutzten viele hier die Gelegenheit, den ersten Absprung in die Tiefe zu wagen. Vor der Absprung-Premiere muss der Neuling allerdings eine zwanzigminütige Unterweisung absolvieren. Ihm zur Seite steht ein sogenannter Tandem-Master, der später mitspringen wird. »Nun steigst du in den Overall«, meint der Karlsruher Fallschirmspringer Stefan Wanger zu seinem Schützling, der willig den Anweisungen folgt.


Blindes Vertrauen
Wanger, der bereits 700 Absprünge hinter sich hat, weiß, was er tut, schließlich müssen ihm die Menschen blind vertrauen. Dabei erklärt er den Verlauf eines Tandem-Sprungs. Ganz sachlich werden die Bewegungen durchgenommen, so als würde man jemand die Morgengymnastik erklären.
Eine Altersbegrenzung gebe es beim Tandemspringen grundsätzlich nicht, meint Wanger. Man sollte körperlich fit sein, nicht unbedingt unter Herz- und Kreislaufschwächen oder extremen Rückenproblemen leiden, maximal 95 kg wiegen und mindestens 1,40 m groß sein. Bei Jugendlichen wird zudem die Einwilligung der Eltern gebraucht. »Ich habe sogar eine 80-jährige Dame gehabt«, erklärt der Tandem-Master.

Die Fallschirme würden zudem strengen gesetzlichen Richtlinien unterliegen und ständig amtlich geprüft und professionell gewartet. Tandemfallschirme unterliegen dabei besonderen weiter verschärften Auflagen. Jedes Tandemgerät ist zudem mit einem elektronischen Öffnungsautomaten ausgestattet. Für Waldemar Richter erfüllt sich mit dem Tandemsprung wiederum ein Traum.

Seine Söhne hätten ihn zum 60. Geburtstag mit diesem Präsent überrascht. »Unser Vater hat in Polen im Flugzeugbau gearbeitet, ist aber in seinem Leben eigentlich noch nie geflogen«, wird erklärt. Das Gespräch wird jäh unterbrochen, in fünf Minute ist es soweit. Es werden Gurte umgelegt, letzte Erklärungen vom Tandempiloten gegeben. Dann klettert das Paar ins dröhnende Flugzeug, das kurz danach über die Startbahn holpert und abhebt. Brille und Helm werden ein letztes Mal fester angezogen – letzter Check. Nach 20 Minuten Flug geht man vor die Öffnung des Fliegers – unter einem das Nichts. 60 Sekunden im Freifall. Plötzlich ein Ruck. Das Tandem-Paar gleitet dahin, fliegt mehrere Schleifen und genießt die Aussicht. Unter ihnen sehen sie nur ihre Füße baumeln. Richter sieht sich um, »unbeschreiblich schön, ja unbeschreiblich.«

baden_online.jpg

Foto: Oscar Sala

Viel zu schnell ist der Sprung vorbei, den TandemMaster Stefan Wanger (hinten) und Springer-Novize Waldemar Richter im Doppelpack absolviert haben.

 

Auszug aus Baden Online

Hier geht's zum Orginalartikel